Hinter den Mauern der Tierindustrie

Die Utopie von glücklichen Tieren und „humaner Schlachtung“ zerbricht bei einem Blick hinter die Kulissen der Tierindustrie. Der Recherche-Bericht eines Tierrechtlers, der mit seinen Aktionen anderen Menschen die Augen öffnen möchte. Denen, welche noch an die schöne Scheinwelt glauben, welche uns die Werbung vermittelt.

Es ist 2 Uhr nachts, 4 Grad Außentemperatur und regnerisch. Wir liegen in Tarnkleidung im Straßengraben einer Privatstraße nähe Dresden. Futtertransporter donnern unmittelbar an uns vorbei. Ein Schild 'Vorsicht Seuchengefahr - Betreten verboten' hindert die Öffentlichkeit daran, dieses Gebiet zu betreten, auf welchem fast eine Millionen Hühner in so genannten „Farmen“ vegetieren müssen. Wir warten darauf, dass die LKW-Fahrer vor Halle 12 ihre Arbeit beenden, um an die Anlage heranzuschleichen und sie durch offene Lüftungsklappen zu betreten. Das Atmen fällt schwer, die Luft ist ammoniakhaltig, Fliegen, aufgewirbelte Milben und Staub durchsetzen den Raum. Atemmasken aufsetzen, Schutzanzüge anziehen und dann mit der Kamera die Realität im Innersten der Tierindustrie festhalten: 100.000 Lebewesen auf engstem Raum zusammengepfercht und zur Eierlegemaschine reduziert, stehend auf den verwesten Kadavern ihrer toten Schwestern, die dieses Martyrium bereits vor dem Schlachthof mit ihrem Leben bezahlen mussten. Wo man hinsieht: unerträgliches Leiden und qualvolles Sterben.

Huhn in Bodenhaltung  

Die Aufnahmen werden wenige Wochen später in einem ARD-Politmagazin ausgestrahlt. Ginge es nach dem Willen der Profiteure der Tierindustrie, bekäme niemand solche Bilder zu Gesicht. Denn durch solche Bilder entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, gegen das Elend der Tiere aktiv zu werden, indem sie Produkte tierischer Herkunft von ihrem Einkaufszettel streichen. Das Leben und Sterben der „Nutztiere“ ist schlichtweg unerträglich, kein mitfühlender Mensch möchte Auftraggeber dieser Grausamkeiten sein: Wir haben Schweine gesehen, die tagelang mit offenen Wunden unversorgt nur noch auf ihren Tod gewartet haben - die Strafanzeige gegen den verantwortlichen Schweinemäster wurde eingestellt. Wir haben die Todesschreie der Kuh vom „kleinen Bauern von nebenan“ gehört, als man sie zu „Qualitätsfleisch aus der Region“ zerteilte. Wir haben Treiber gesehen, wie sie die Tiere schlagen und peinigen – der Raum erfüllt mit Angst und Panik. Wir haben Tiere gesehen, die im Schlachthaus kopfüber aufgehängt bei vollem Bewusstsein ihre eigene Schlachtung miterlebten. Töten im Akkord – keine Zeit für Einzelschicksale.

Nähe Magdeburg: Eine Anlage mit einigen tausend Kühen, die dort zwecks Milchgewinnung ihr Dasein fristen müssen. Sie sind in so genannten „Laufställen“ untergebracht: Enge, Gestank, Spaltenböden, niemals kommen die Tiere nach draußen. Eine Kuh jedoch liegt einsam und allein außerhalb der Halle. Sie versucht immer wieder vergeblich unter Schmerzen aufzustehen. Man hat ihr die Hinterläufe zusammengebunden, damit sie nicht weg laufen kann. Die Kuh hechelt und versucht verzweifelt sich auf den Vorderbeinen fortbewegend neben einem Metalltank zu ziehen, um dort Schatten zu suchen. Eine ganze Nacht bis zum nächsten Mittag liegt sie dort. Niemand außer uns gibt ihr währenddessen zu essen oder zu trinken, obwohl sie mittlerweile der prallen Mittagssonne ausgesetzt ist. Für die Verantwortlichen des Betriebes alles kein Problem: Sie habe sich die Hüfte bei einem Sturz im rutschigen Stall verletzt und müsse nun geschlachtet werden, hieß es. Und da Wochenende sei, müsse sie eben bis Montag dort liegen bleiben. So wäre das nun mal, wir sollten uns nicht so anstellen - irgendwo müsse die Milch ja herkommen. Auch die von uns gerufene Polizei sieht keinen Handlungsbedarf. Was denn so schlimm daran wäre, die Kuh könne doch froh sein endlich einmal im Gras liegen zu dürfen. Wir hingegen seien unberechtigt auf das Gelände eingedrungen. Unsere Anzeige wird nur widerwillig aufgenommen.

Im Zuge einer längeren Recherche betraten wir eines Nachts eine recht große Halle mit Käfigbatterien. Darin Küken, die erst 3-4 Tage alt waren. Ihnen war kalt, sie piepsten nach der Wärme und Geborgenheit einer Mutter, sie verklemmten sich in den Gittern der gnadenlosen Welt der Tierindustrie. 40.000 einzelne Schicksale, jedes ein eigenes Individuum, was nicht erahnen kann, welches Leid ihm in seinem kurzen Leben noch bevor steht. Hinter der Halle Mülleimer gefüllt mit ebenso vielen Küken: die männliche Geschwister der zukünftigen Legehennen. Sie wurden am ersten Lebenstag vergast, da sie als männliche Tiere keine Eier legen.

 
Kückenaufzucht

Sau in Kastenständer  

Nach all den Jahrzehnten der Versuche, in der „Nutztierhaltung“ Verbesserungen zu erwirken sehen wir sie immer noch: all die Tiere, die bis zu ihrem schrecklichen Ende ihr ganzes Leben nur gelitten haben. Als kleine Ferkel ihren Müttern weggenommen, werden ihnen bei vollem Bewusstsein von Menschen die Schwänze abgeschnitten, die Zähne abgebrochen, die Ohren durchstanzt, sie werden betäubungslos kastriert, verstümmelt und zurechtgeschnitten, die Mütter vegetieren bewegungslos in Käfigen aus Metallstangen. Für die Fleischindustrie geht ihr Leiden weiter, eingepfercht in dunklen, dreckigen Kerkern, ein Leben auf Spaltenböden in den eigenen Exkrementen, ohne Beschäftigung. Sie sehen niemals Sonne, niemals Regen, außer in den fünf Minuten des Wartens auf den Tod vor dem Schlachthof.

Sehen Sie hin, haben Sie Mitgefühl – und handeln Sie!